Lass es Liebe sein
Artists
Monika Maurer-Morgenstern, Renate Bertlmann, Dorothy Iannone, Martina Kügler
Press release
Mountains freut sich, die Gruppenausstellung Lass es Liebe sein mit Monika Maurer-Morgenstern (1942 Leipzig, lebt in Berlin), Martina Kügler (1945 Schreiberhau, Schlesien – 2017 Frankfurt), Dorothy Iannone (1933 Boston, USA – 2022 Berlin) und Renate Bertlmann (1943 Wien, lebt in Wien) anzukündigen. Was nennen wir Liebe? Wann wird aus körperlicher Anziehung Begehren, aus Freundschaft Nähe, aus Nähe Verletzlichkeit? Und wie entstehen unsere Vorstellungen von Intimität überhaupt – durch persönliche Erfahrung oder durch Bilder, Erzählungen und kulturelle Prägungen? Die Ausstellung Lass es Liebe sein versammelt Arbeiten von Martina Kügler, Monika Maurer-Morgenstern, Dorothy Iannone und Renate Bertlmann. Vier eigenständige künstlerische Positionen eröffnen unterschiedliche Perspektiven auf Liebe, Begehren, Freundschaft und Intimität – zwischen körperlicher Erfahrung, autobiografischer Erinnerung, poetischer Selbstermächtigung und kultureller Bildtradition. Trotz ihrer unterschiedlichen Bildsprachen verbindet sie das Interesse daran, wie Beziehungen sichtbar werden können – nicht als eindeutige Zustände, sondern als komplexe Erfahrungen zwischen Körper, Erinnerung, Sprache und kultureller Imagination. Ausgangspunkt der Ausstellung sind die Zeichnungen der Frankfurter Künstlerin Martina Kügler. Bereits in den 1970er- und 1980er-Jahren entwickelte sie eine Bildwelt, die weibliches Begehren mit einer für ihre Zeit außergewöhnlichen Offenheit thematisierte. Ihre expliziten, oft humorvollen und zugleich zärtlichen Zeichnungen feiern Sexualität als selbstverständlichen Teil menschlicher Erfahrung. Kügler interessiert dabei weniger die Provokation als die Freiheit des Körpers. Ihre Figuren begegnen sich ohne Scham; Lust erscheint nicht als Ausnahme, sondern als Möglichkeit von Nähe, Spiel und gegenseitiger Hingabe. Rückblickend lässt sich ihr Werk als bemerkenswert früher Beitrag zu einer sexpositiven, emanzipierten und queeren Bildsprache lesen. Einen anderen Zugang eröffnet Monika Maurer-Morgenstern mit ihren autobiografischen Zeichnungsserien (1994/1995/1997) über ihre Begegnung mit der Schriftstellerin Verena Stefan. Stefan wurde mit Häutungen (1975) zu einer der prägenden Stimmen der neuen Frauenbewegung im deutschsprachigen Raum. Ihre Texte verbanden persönliche Erfahrung mit lesbisch-feministischer Gesellschaftskritik und beeinflussten eine ganze Generation von Leserinnen. Maurer-Morgensterns Zeichnungen, die wie immer simultan beidhängig entstanden sind, erzählen hingegen keine politische Geschichte, sondern erinnern eine konkrete Beziehung – geprägt von Zuneigung, unterschiedlichen Erwartungen und der Erfahrung, dass Liebe und Begehren nicht immer dieselbe Sprache sprechen. Aus dieser Spannung entstehen keine Anklagen, sondern vielschichtige Bilder über Nähe, Projektion und die Zerbrechlichkeit menschlicher Beziehungen. Zugleich wird sichtbar, dass sich persönliche Erfahrung und die Sprache der Frauenbewegung nicht immer decken. Mit Dorothy Iannone enthält die Ausstellung eine Position, die autobiografische Erfahrung und utopische Bildwelten verbindet. The White Goddess (1971) greift den Titel von Robert Graves' einflussreicher Studie The White Goddess auf, eignet sich deren mythologische Bildwelt jedoch selbstbewusst an und schreibt sie aus weiblicher Perspektive neu. Während Graves Weiblichkeit vor allem als poetische Muse imaginiert und zugleich ein problematisches Verhältnis zu Homosexualität erkennen lässt, entwickelt Iannone daraus eine Bildsprache weiblicher Selbstermächtigung, in der Liebe und Begehren unabhängig von normativen Geschlechterrollen gedacht werden. Gemeinsam mit Put Your Mouth... verbindet sie Text und Bild zu poetischen Liebeserklärungen, die autobiografische Erfahrung, Popkultur und queere Gegenentwürfe miteinander verschränken. Iannones Nähe zur Gegenkultur der 1960er- und 1970er-Jahre sowie ihr langjähriges Leben in West-Berlin machten sie zu einer der eigenständigsten Stimmen einer Kunst, die persönliche Freiheit, Erotik und gesellschaftliche Utopie untrennbar zusammendenkt. Die ausgewählten Blätter aus Renate Bertlmanns elfteiliger Serie Biblia Pauperum (1987) beziehen sich auf einen mittelalterlichen Bildtypus, der Texte und Bilder miteinander verband, um biblische Erzählungen anschaulich zu vermitteln. Bertlmann eignet sich dieses Prinzip an und entwickelt daraus eine ebenso poetische wie subversive Bildwelt. Charakteristisch ist ihr Einsatz rebusartiger Bildzeichen, die einzelne Wörter ersetzen und Sprache selbst in Bild verwandeln. Lesen und Sehen gehen dabei untrennbar ineinander über. Im Zentrum steht das Herz – als Symbol für Liebe, Sehnsucht und Verletzlichkeit –, an dem sich persönliche Empfindung und kulturelle Überlieferung auf ebenso ironische wie berührende Weise begegnen. Lass es Liebe sein versteht Liebe nicht als eindeutigen Begriff. Die Ausstellung zeigt sie als körperliche Erfahrung, als Erinnerung, als poetischen Selbstentwurf und als kulturelle Konstruktion. Gerade in dieser Vielstimmigkeit entsteht ein offener Dialog darüber, wie wir Nähe erleben, erzählen und darstellen. Künstlerinnen Martina Kügler wurde 1945 in Schreiberhau (Schlesien) geboren und zog als Kind mit ihrer Familie nach Frankfurt am Main, wo sie eine Ausbildung zur Farblithografin absolvierte. Von 1966 bis 1972 studierte sie an der Städelschule in Frankfurt bei Prof. Johann Georg Geyger und Karl Bohrmann. Internationale Bekanntheit erlangte die Künstlerin zunächst durch ihre Teilnahme an Harald Szeemanns wegweisender Wanderausstellung Junggesellenmaschinen / Les Machines Célibataires (1975–77). Durch diese Präsenz wurde ihr Werk einem MOUNTAINS breiteren Publikum bekannt – noch vor ihrer ersten institutionellen Einzelausstellung, die 1976 im Kunstraum München stattfand. Ihre Arbeiten sind in den Sammlungen des Städel Museums, der Deutschen Bank, der Sammlung Klewan, der Döpp Collection, A Private Collection Frankfurt sowie zahlreichen weiteren Privatsammlungen vertreten. Galerie Mountains vertritt das Werk von Martina Kügler seit 2020. Monika Maurer-Morgenstern, 1942 in Leipzig geboren, lebt seit 2012 in Berlin. Bereits als kleines Kind erhält sie eine intensive Förderung in künstlerischer Praxis im Lehrhort der Henriette-Goldschmidt-Schule in Leipzig. Die Familie siedelt in den Westen über, zuerst nach Stuttgart, dann nach Konstanz, wo Maurer-Morgenstern 1962 ihr Abitur ablegt. Sie studiert an der Pädagogischen Hochschule in Esslingen mit einem Schwerpunkt auf Malerei. Anschließend arbeitet sie bis 1968 in Stuttgart als Lehrerin. 1968 Umzug nach München. Ab 1969 intensiviert sie ihre künstlerische Tätigkeit. 1986 richtet das Münchener Stadtmuseum ihre erste Einzelausstellungen aus. Wichtige Impulse erhält sie zwischen 1989 und 2006 im Rahmen der Internationalen Sommerakademie für Bildende Kunst Salzburg u. a. von Leon Golub, Leiko Ikemura und Nancy Spero. Zuletzt zeigte die Achim Freyer Stiftung 2025 in Berlin die Künstlerin in der Einzelausstellung Szenen auf Papier, kuratiert von Johannes Odenthal und Sabine Bayer, gefolgt von Arbeiten aus 5 Jahrzehnten bei Galerie Mountains. Werke von Monika Maurer-Morgenstern befinden sich in den folgenden Sammlungen: Staatsgalerie Stuttgart, Berlinische Galerie, Stadtmuseum Berlin, Kupferstichkabinett Basel, museum kunstpalast Düsseldorf, Stadthistorisches Museum Leipzig, Staatliche graphische Sammlung München. Dorothy Iannone (1933–2022) wurde in Boston, Massachusetts, geboren und studierte amerikanische Literatur an der Boston University. Als Autodidaktin begann sie 1959 künstlerisch zu arbeiten und betrieb von 1963 bis 1967 gemeinsam mit ihrem damaligen Ehemann James Upham die Stryke Gallery in New York. Einen Wendepunkt markierte 1967 die Begegnung mit dem Schweizer Künstler Dieter Roth in Reykjavik. Ihre Beziehung wurde zum Ausgangspunkt eines radikal autobiografischen Werks, in dem Liebe, weibliches Begehren, sexuelle Selbstbestimmung und spirituelle Freiheit in einer unverwechselbaren Bildsprache gefeiert werden, die Einflüsse ägyptischer Fresken, byzantinischer Mosaike und antiker Fruchtbarkeitsdarstellungen aufgreift. Nach der Zensur ihrer Arbeiten in der Kunsthalle Bern 1969 thematisierte sie Fragen der künstlerischen Freiheit unter anderem in The Story of Bern. Seit den 2000er Jahren wird ihr Werk international neu bewertet und war in zahlreichen bedeutenden Museumsausstellungen zu sehen, u. a. Dorothy Iannone - This Sweetness Outside of Time, kuratiert von Annelie Lütgens, Berlinische Galerie 2014, in The Milk of Dreams, kuratiert von Cecilia Alemani, Venedig Biennale 2022, und aktuell Dorothy Iannone. Over and Over Again, kuratiert von Tania Pardo, Museo CA2M, Madrid. Iannones Arbeiten befinden sich heute unter anderem in den Sammlungen des Centre Pompidou, der Tate Modern, des Museo Nacional Centro de Arte Reina Sofía, des Museum Ludwig und des Musée d'Art Moderne de Paris. Renate Bertlmann (*1943 in Wien) studierte von 1964 bis 1970 Malerei, Konservierung und Technologie an der Akademie der bildenden Künste Wien, an der sie anschließend auch künstlerische Techniken lehrte. Seit 1978 prägt ihr Credo AMO ERGO SUM („Ich liebe, also bin ich“) ihr künstlerisches Schaffen und entwickelte sich später zur Trilogie Pornografie, Ironie und Utopie. Als Pionierin feministischer Kunst vertrat Bertlmann 2019 Österreich mit einer Einzelausstellung im Österreich-Pavillon der Biennale von Venedig. Bereits 2017 wurde sie mit dem Großen Österreichischen Staatspreis ausgezeichnet. Ihre Arbeiten befinden sich in bedeutenden internationalen öffentlichen und privaten Sammlungen, darunter Tate Modern, Centre Pompidou, Belvedere 21, SAMMLUNG VERBUND, mumok und Museum Ludwig. Aktuell ist ihre Latex-Installation Waschtag (1976/2023) in der Ausstellung Stellprobe, kuratiert von Stella Rollig und Luisa Ziaja, im Belvedere 21, Wien zu sehen. Im September wird die Galerie LEVY Berlin Renate Bertlmann mit einer Einzelausstellung zeigen.
- Through
- 08 August 2026
- Venue
- MOUNTAINS
- Address
- Rosa-Luxemburg-Platz, Weydingerstraße 6
10178 Berlin
- Hours
- Wed-Sat: 12:00-18:00
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