Haus
Artists
Markus Weggenmann
Press release
Markus Weggenmanns Malerei kreist seit Jahrzehnten um eine zentrale Frage: Was kann Farbe? Nicht das Motiv steht im Vordergrund, sondern die Erfahrung des Sehens selbst. Farbe erscheint bei Weggenmann nicht als Mittel zur Beschreibung der Welt, sondern als eigenständige Wirklichkeit. Bekannt wurde Weggenmann in den 1990er-Jahren zunächst mit seinen Streifenbildern, die in der Tradition reduzierter und konkreter Malerei standen und eine Nähe zu den Zürcher Konkreten erkennen liessen. Doch für Weggenmann konnte dies nie Endpunkt sein. «Es war für mich kein Zustand, mein Leben lang Streifen zu malen», sagt er heute rückblickend. Entscheidend war für ihn die Erkenntnis, dass Farbe niemals isoliert existiert. Farbe entsteht immer im Verhältnis zu anderer Farbe, zu Formen, zum Raum und letztlich auch zum Betrachter. Selbst der Fussboden eines Ausstellungsraums wird plötzlich relevant. Farbe alleine, so Weggenmann, gebe es nicht. Die monumentale Wandarbeit in der Galerie entwickelt sich aus diesem Denken heraus. Durch ihr enormes Format wird die Arbeit selbst zu einer räumlichen Erfahrung. Man betrachtet das Bild nicht nur, sondern bewegt sich gewissermassen in ihm. Zu sehen ist ein Haus – denkbar einfach und zugleich eigentümlich schwer fassbar. Ein Haus, das einfach Haus ist. Ausgangspunkt seiner Arbeiten sind kleine Blätter aus seiner sogenannten „Batterie", einem stetig wachsenden Fundus aus Zeichnungen, Skizzen und freien malerischen Assoziationen. Ohne festes Motiv entwickelt sich daraus ein Bildprozess. Doch vielleicht sind diese Assoziationen gar nicht so frei, wie sie zunächst erscheinen: Das Haus erinnert durchaus an die schlichten, massiven Bauformen Graubündens, der Ort, an dem er seit vielen Jahren einen zweiten Lebensmittelpunkt hat. So scheint in der Malerei unweigerlich auch ein persönlicher Erfahrungsraum auf. Das Wandbild umgibt ein Rand von sieben Zentimetern. Trotz ihrer raumgreifenden Wirkung bleibt es dem traditionellen Gedanken des Bildes verpflichtet. Gerade darin unterscheidet sich Weggenmann von einer Malerei, in der sich der Betrachter vollständig verlieren soll. Entscheidend bleibt dennoch die Farbe selbst. Das Motiv ist eher eine Notwendigkeit für den Künstler, um Farbe zeigen zu können. Weggenmann verwendet in seinen Gemälden statt Öl oder Acryl lediglich wenig Leim als Bindemittel. Dadurch bleibt die Leuchtkraft der Pigmente unmittelbar erhalten; sie scheint direkt aus dem Farbmaterial selbst zu kommen. Auch für die Wandarbeit wurde eigens eine stark pigmentierte Mineralfarbe verwendet, ausgeführt von Christian Schmid, Malermeister AG. Ihm gefällt der Gedanke, dass die Wandmalerei wirkt, als hätte ein Riese mit einem riesigen Pinsel gemalt. Trotz der reduzierten Form bleibt die ursprüngliche Bewegung des Malens spürbar. Kanten, Aussparungen und sichtbare Übergänge erinnern daran, dass diese grossen Flächen aus malerischen Gesten hervorgegangen sind. Die Arbeit oszilliert zwischen kontrollierter Komposition und freier Assoziation, zwischen Bild und Fläche, Motiv, Farbe und Licht. Daniela Minneboo
- Through
- 25 July 2026
- Venue
- Galerie Mark Müller
- Address
- Hafnerstrasse 44
8005 Zurich
- Hours
- Wed-Fri: 12:00-18:00, Sat: 11:00-16:00
Back